Von Apfel zu Apfel
BayWa Obst bezieht Solarstrom direkt von der Plantage.
PPA verbindet Agri-PV auf dem Obsthof Bernhard mit dem BayWa Obst-Standort in Kressbronn.Äpfel und Energie aus einer Partnerschaft: BayWa Obst bezieht künftig Solarstrom aus der Agri-Photovoltaikanlage des Obsthofs Bernhard in Kressbronn am Bodensee. Grundlage dafür ist ein Power Purchase Agreement (PPA) zwischen dem Erzeugerbetrieb und BayWa Obst. Der auf den Apfelplantagen erzeugte Strom wird über eine Direktleitung zum nahegelegenen BayWa Obst-Standort in Kressbronn geführt.
Die neue Agri-PV-Anlage verbindet die Produktion von Tafelobst mit der Gewinnung von Solarstrom und verfügt laut Projektentwickler, über eine Leistung von 2,4 Megawattpeak und ist derzeit Europas größte Anlage ihrer Art. Die Entfernung zum nächsten Lager- und Packbetrieb von BayWa Obst beträgt rund 500 Meter. Damit liegen landwirtschaftliche Erzeugung, Stromproduktion und die Nutzung der Energie für die weitere Wertschöpfung von Äpfeln in unmittelbarer räumlicher Nähe.
1) Ein Dach, das Strom erntet
Die Solarmodule sind hoch über den Apfelbäumen montiert und wandeln Sonnenlicht direkt in Strom um. Gleichzeitig schützen sie die Äpfel vor Hagel, Starkregen und Sonnenbrand. Gepflegt und geerntet wird wie bisher. So bringt dieselbe Fläche zwei Ernten.
2) Der Nachbar, der Strom abnimmt
Die Direktleitung ist ein eigenes Kabel direkt zur BayWa Obst nebenan. Dort werden Äpfel gelagert, sortiert und verpackt. Der Strom wird also gleich nebenan verbraucht, ohne Umweg über das öffentliche Netz.
3) Der Hof, der elektrisch wird
Der Obsthof Bernhard ist selbst Investor der Anlage. Einnahmen aus dem Strom sind ein zweites Standbein und geben Sicherheit. Mit der Zeit wird der Hof elektrisch: Traktor, Hoftechnik und Kühlung laufen künftig mit Sonnenstrom.
Vom Pilotprojekt zur größeren Agri-PV-Anlage
Der Obsthof Bernhard beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit Agri-PV. 2022 wurde dort im Rahmen der Modellregion Agri-Photovoltaik Baden-Württemberg eine 0,4 Hektar große Pilotanlage mit einer Leistung von gut 230 Kilowattpeak eröffnet.
Auf diesen Erfahrungen baut die nun fertiggestellte Erweiterung auf. Auch hier werden Apfelanbau und Solarstromerzeugung auf derselben landwirtschaftlichen Fläche miteinander verbunden. Mit der BayWa Obst erhält das Konzept durch die direkte Abnahme des Stroms eine zusätzliche Dimension: Erzeuger und Vermarkter arbeiten nicht nur beim Obst, sondern auch bei der Energieversorgung entlang der regionalen Wertschöpfungskette zusammen.
Die Erfahrungen mit der Pilotanlage zeigen zugleich Potenziale für den Obstbau. Die Überdachung kann die Apfelbäume unter anderem vor Hagel und extremer Witterung schützen. Der Obsthof berichtet darüber hinaus von einem geringeren Wasserbedarf und reduziertem Pflanzenschutz unter der Anlage.
Partnerschaft für den deutschen Apfel
Der Standort Kressbronn am Bodensee steht bei BayWa Obst für die enge Zusammenarbeit mit dem regionalen Obstbau und die Vermarktung deutscher Äpfel. Mit dem PPA soll diese Verbindung um einen weiteren Baustein ergänzt werden.
Kurz vor der offiziellen Eröffnung erhielt das Agri-PV-Projekt zusätzliche Anerkennung: Beim erstmals vergebenen Zukunftspreis Deutsche Energie erreichte der Projektentwickler mit dieser Anlage am 6. Oktober 2026 den zweiten Platz. Bei der Bewertung des Wettbewerbs spielten unter anderem gesellschaftlicher Nutzen und regionale Wertschöpfung eine Rolle.